Glück. Zufall oder Lebenskunst

Die Suche nach dem Glück ist eine immer währende. Jeder trachtet danach. Oft scheint Glück greifbar nah, nur einen Steinwurf von uns entfernt und doch will es sich nicht einstellen. Ist Glück ein Privileg? Hier eine Wegbeschreibung.

„Wann warst du zuletzt glücklich?“ „Hm, da muss ich jetzt nachdenken ...“ Frauengespräch, Samstagnachmittag, nach dem Shopping bei einer Melange in der Cafeteria ums Eck. Was die eine so halbsalopp in die Gesprächslandschaft wirft, evoziert bei ihrem Gegenüber eine runzelige Stirn. Sollen wir an so einer Stelle über die „Definition“ des Glücks nachdenken, durch deren Erklärung wir dann bestimmen können, ob wir Glück empfinden, glücklich sind? Lassen wir den Stein rollen und schauen dabei ins ratlose Gesicht auf der anderen Seite des Tisches ...
Was ist „Glück“? Ist ihr Glück noch vor dem Wechsel den Traumpartner gefunden zu haben, lieben zu können und geliebt zu werden? Ist Glück den begehrten Job des Abteilungsleiter-Stellvertreters in einem 5-Mann-Betrieb gegenüber seinen Kollegen für sich erkämpft zu haben? Ist es nicht ein Riesenglück die richtigen Sechs im Lotto getippt zu haben, und das noch alleine? (nun, der Wahrscheinlichkeitsrechnung nach eher ein Wunder!) Nebenbei erwähnt, sagt man: „Geld allein macht nicht glücklich“! Aber sagen das nicht meist jene, die kein Geld haben? Marcel Reich-Ranicki dazu galant: „Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser in einem Taxi zu weinen, als in der Straßenbahn!“

Wo finden wir nun unser ganz persönliches „Glück“? Manch „Glücksbote und Lebensratgeber“ schwört ja auf die direkte Bestellung aus dem Universum. Frei Haus lieferbar und sehr geringem Verwaltungsaufwand. Da ließe sich jetzt mutmaßen, Glück sei abrufbar?! Aber wo bleibt meist das berühmte Vogerl, wenn man es mal dringend braucht?
Sachbücher wie „Sorge dich nicht, ...“ „Anleitung zum Glück“ oder wie sie sonst alle heißen mögen, unterstützen noch die Theorie. Praxis erprobte Routenplaner, leicht verständlich, schwören auf simpelste Umsetzung im Alltag. Und was ist dran? Tja, es ist schon wahr. Meist sind diese Pseudo-Selbsthilfe-Lexika das Papier nicht wert, worauf sie gedruckt sind, und nur wenige regen wirklich zum Mit- und Umdenken an.

Spätestens hier sollten wir einmal einen Schritt zurück machen; für uns selbst "Glück" definieren. Lt. Psychoanalyse begegnen wir grundsätzlich zwei verschiedenen Empfindungen intensiven Glücksgefühls. Das subjektiv empfundene, z.B. des Liebenswerten. Hier kann es sich in jedem kurzfristigen Wohlbehagen manifestieren. Das fulminante Abendessen in geselliger Runde, dem unverhofften Treffen eines alten Freundes. Die zweite Bedeutung bezieht sich auf das „Überraschende Ereignis“, gemeinhin auch als Zufall bekannt. Um dem Mysterium „Glück“ gänzlich auf den Grund zu gehen schauen wir uns kurz die Begriffsbestimmung noch aus einem anderen Blickwinkel an, dem Orthografischen. Demnach entstammt das Wort „Glück“ dem mittelniederdeutschen „Gelucke“, respektive mittelhochdeutschem „Gelücke“. Beide Formen wurden aus dem Verb „gelingen“ abgeleitet, also dem „Gelungenen“.

Definiert sich Glück also über unsere Erwartungshaltung? Oder reicht es schon nicht vom Schnellzug erfasst worden zu sein, wenn wir uns bei geschlossenen Bahnschranken mit dem Auto Russisches Roulette spielen? Den Beweis dafür tritt eine Studie der britischen Universität Leicester an. Mehr als 100 Nationen wurden mittels Fragebögen zum Thema gepiesackt und erstaunlicherweise findet sich ein Land ganz oben auf der Glücksskala wider, das weder wirtschaftlich im Spitzenfeld liegt noch politisch weltweite Weichen stellt. Auch sportlich gesehen tümpeln die Einwohner irgendwo im Mittelfeld herum. Wir sprechen von den Dänen! Dänemark pflegt so eine Art „Kultur der niedrigen Erwartungen“. Nirgendwo anders sind die Erwartungen an die Zukunft so gering wie im „Königreich Danmark“. Naturgemäß fallen dort Enttäuschungen nicht so ins Gewicht, jedoch jedes positive Ereignis nimmt sofort einen hohen Stellenwert ein. Heißt das jetzt, dass die Dänen ein sub-depressives Völkchen sind? Keineswegs. Vermutlich basiert dieses Ergebnis nur auf einer gesunden Selbsteinschätzung jedes Einzelnen und um dessen Möglichkeiten im Rahmen des hiesigen Daseins.

Lawrence Durrell formuliert es so: „Das Glück beruht oft nur auf dem Entschluss, glücklich zu sein!“ Leicht gesagt, aber wie soll das funktionieren? Kein Unglück zu erfahren bescheinigt noch lange nicht den Umstand Glück gehabt zu haben. Es ist eher eine vorgeschobene Entschuldigung dafür, nicht alles getan zu haben, um einzigartige Momente erleben und an tolle und erfüllte Stunden zublicken zu können. Oft ist es das kleine (alltägliche) Glück, dass uns auf den Weg führt. Erfinden sie für sich zB. ein Kontrastprogramm. Schlafen sie aus nach einer stressgeplagten Woche, gehen sie gut essen nach einer Fastenkur, brechen sie einmal eine Regel (im zumutbaren Rahmen), belohnen sie sich!

Wer sich belohnt findet Genuss in dem was er tut. Oder rufen sie einen Freund an, pflegen sie Kontakte. Der Mensch ist ein „Herdentier“, für’s alleine sein nicht geboren. Wer (unfreiwillig) alleine zu Hause sitzt fängt an zu grübeln. Im Gegensatz zu den weit verbreiteten Fachlektüren die uns ein besseres, glücklicheres Leben versprechen, sind jene angeführten Tipps sofort umsetzbar. Keine fragwürdigen Strategien, keine leeren Versprechungen. Sie haben es selbst in der Hand in einen spannenden Kreislaufs des Glückes einzutauchen. Übrigens: Untersuchungen der Universitäten Kalifornien, Illinois und Missouri haben bewiesen, dass glückliche Menschen, in weiterer Folge automatisch Erfolg anziehen, am Arbeitsplatz und in Beziehungen. Nebenbei sind sie auch gesünder.

Fachzeitschriften können schon inspirieren ...
... euer Hubert L.
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